Viel Neues in SQL Server 2016

sql-server-2016-kpi-titelbildAuf der sehr informativen Veranstaltung Technology Day SQL Server 2016 der Firma ppedv GmbH wurden heute am Standort Wien von Thomas Blessing die Neuerungen von SQL Server 2016 kompakt und übersichtlich vorgestellt. Hier also die wichtigsten Neuerungen mit Fokus auf die BI-Funktionen von SQL Server 2016. Vielen Dank an die Firma ppedv GmbH für die Freigabe der Kamerabilder zur Verwendung in diesem Blogbeitrag.

Highlights und Evaluierung

Hier die Highlights in SQL Server 2016 aus Marketingsicht ...

sql-server-2016-everything-built-in

... und hier die wichtigsten Neuerungen im Versionsvergleich aus unserer BI-spezifischen Sicht:

  1. "Relationale Business Intelligence" durch Ausbau der Direct Query Funktionen
    Der analytische Zugriff auf die relationalen Daten wird immer mehr ohne BI Bausteine möglich. Bildlich gesprochen, wird der Zugriff von der obersten BI-Ebene auf die unterste OLTP-Ebene in immer mehr Szenarien ohne EIM und DWH machbar:sql-2016-ueberblick-workloads
    Ermöglicht wird das - aufbauend auf den bereits bestehenden Funktionen In-Memory OLTP und In-Memory ColumnStore - durch die neuen relationalen Funktionen Row-Level-Security, Query Store sowie den Tabular Model Direct Query Mode. Dazu die nahtlose Verknüpfung von relationalen und nicht-relationalen Daten durch die neuen Polybase-Queries auf Hadoop-Daten sowie die neue JSON-Integration.
  2. Tabular Model löst die Cube-Technologie weiter ab
    Die Tabular Model Technologie wird weiter massiv - im Gleichschritt mit der Power BI Technologie - ausgebaut, während die etablierte Cube Technologie lediglich Wartungsupdates erhält. Die wichtigsten Neuerungen sind der monatliche Update-Zyklus (iVm Power BI), den m:n Beziehungen und dem neu konstruiertem Direct Query Mode.
  3. Modernisierung und Ausbau der Reporting Services
    Die bisherigen "RDLs" heißen jetzt Paginated Reports und werden um KPIs und mobile Reports massiv erweitert. Der Zugriff erfolgt über modernes Webportal, über die SharePoint Integration oder über die mobilen Power BI Apps. Dazu besteht die Möglichkeit, etwa Grafiken aus Paginated Reports an Power BI Dashboards zu "pinnen".
  4. Die bisherige "BI Edition" (= Edition zwischen Standard- und Enterprise-Edition) gibt es in SQL 2016 nicht mehr
    Viele aus unserer Sicht wichtigen Features - insbesondere das SSAS Tabular Model - sind glücklicherweise in die Standard Edition gewandert, werden damit einem breiteren Nutzerkreis zugänglich.
  5. Ausbau der Analytics Funktionen
    Neues Modul R Services für Real-time Analytics direkt auf die OLTP-Daten.
  6. Ausbau der Hybrid-Cloud Funktionen
    Neue Stretch-Database.

Neuerungen im relationalen Datenbankmodul

Hier die wichtigsten Neuerungen in SQL Server 2016 Datenbankmodul:

  1. Row-Level-Security (auf Tabellenebene statt bisher nur über Views)
  2. Temporäre Tabellen (zur automatischen Protokollierung/Historisierung aller Veränderungen in einer Tabelle)
  3. Polybase-Queries auf Hadoop-Daten (direkte Abfrage aus SQL Server möglich)
  4. JSON-Integration
  5. Query Store (zur Optimierung der Abfrageperformance)
  6. Always Encrypted (zur Verschlüsselung)
  7. Dynamic Data Masking (zur Maskierung bspw. von Kreditkartennummern)
  8. SQL Server Stretch Database (Hybrid-DB auf SQL-Azure)
  9. und mehr ...

Neuerungen in den Analysis Services

Hier die wichtigsten Neuerungen in SQL Server 2016 Tabular Model:

  1. Bidirektionale Filterung zur Abbildung von m:n Beziehungen (auch hier) und dynamic Security
    sql-2016-tabular-model-m-n-beziehungen
  2. Neue DirectQuery-Implementierung für mehr Leistungsfähigkeit, Unterstützung weiterer Datenquellen (Oracle, Teradata und MS Analytics Platform)
  3. Verbesserte Performance (Compatibility-Level 1200)
  4. Tanslations für mehsprachige Modelle (für Fortgeschrittene ...)
  5. Display Folders für besser strukturierte Feldlisten
  6. Berechnete Tabellen bspw. für dynamische Zeitdimensionen
  7. DAX-Formelkorrektur zum einfachen Umbenennen von Tabellen, Columns und Measures
  8. DAX-Formeleditor verbessert durch Syntaxfarben, Kommentare, usw.
  9. DAX-Variablen für effizientere Measure-Formeln
  10. Neue DAX-Funktionen für mehr Business Logik (> 50 neue Funktionen)
  11. Speichern unvollständiger Measures (zur späteren Fertigstellung)
  12. Parallele Verarbeitung von Tabellenpartitionen
  13. Monatlicher Release-Zyklus für SSDT (iVm Power BI, siehe hier ...)
  14. Scripterstellung (TMSL-Unterstützung in SSMS)
  15. Einführung von Projektvorlagen in SSDT
  16. Neuer Tabular Model Explorer in SSDT (August 2016 Update)
  17. Unterstützung für Visual Studio Konfigurationsmanager (bspw. für Test- und Produktivversion)

Eine schöne Zusammenfassung zu den Neuerungen in SQL Server 2016 Tabular Model hier von Marco Russo, weitere Infos hier und hier und hier und hier und hier und hier

Leider gibt es in SQL Server 2016 Tabular Model noch keine offizielle Importmöglichkeit für Power BI Desktop Files, vielleicht auch (noch) wegen der Unterschiede im Entwicklungsstand und wegen der fehlenden Power Query Unterstützung. Hier ein interessanter Artikel für eine inoffizielle Lösung ...

Hier die (wenigen) Neuerungen in SQL Server 2016 Cubes:

  • Drillthrough-Mehrfachauswahl für Excel 2016 (siehe hier ...)
  • Excel-Optimierungen (v.a. Pivot-Performance in bestimmten Szenarien, siehe hier ...)
  • weitere Neuerungen hier und hier ...

Neuerungen in den Reporting Services

Hier gibt es wiederum richtig viel Neues:

  1. Das neue Webportal löst den bisherigen Berichts-Manager ab und ist HTML 5 responsive. Mithilfe des sog. Brandingpakets kann das Portal jetzt an das Unternehmen bzw. an einzelne Teams angepaßt werden, mit der neuen Favorites-Funktion kann jetzt jeder einzelne User das SSRS Portal personalisieren und damit direkt nutzbar machen.
  2. Es integriert neben dem bisher einzigen Berichtstyp Paginierte Berichte ("RDLs") die neuen Berichtstypen KPIs ("Kacheln") und Mobile Berichte ("Datazen"). Excel- und Power BI Desktop Files können in den Ordnerstrukturen mitverwaltet werden, sind aber nicht tatsächlich integriert (beim Anklicken werden letztere in Power BI Desktop geöffnet, eine echte Integration ist gemäß dieser Quelle aber geplant ...)
    sql-2016-reporting-services-webportal
  3. Die "normalen" SSRS Berichte heißen jetzt Paginierte Berichte ("RDLs") ...
    sql-2016-reporting-services-paginierte-reports
    ... die Parameter-Felder können jetzt vom Berichtsersteller angeordnet werden (hier im Report Designer in SSDT) ...
    sql-2016-reporting-services-paginierte-reports-ssdt
    ... die Diagramme wurden modernisiert und an das Look & Feel von Power BI angepaßt, dazustehen neue Diagrammtypen wie Sunburst und Treemap zur Verfügung (hier im Report Builder) ...
    sql-2016-reporting-services-paginierte-reports-report-designer
    ... Drucken von PDF-Dateien ist jetzt ohne ActiveX-Komponente möglich, die Seitenvorschau gleicht dem Ausdruck, weiters gibt es ein neues Exportformat PowerPoint
    sql-2016-reporting-services-paginierte-reports-exportformate
    ... leider sind RDLs aber auch in SQL Server 2016 noch nicht responsive.
  4. Neuer Berichtstyp "KPI" ... diese werden direkt im Webportal definiert und per Drillthrough ist ein Zugriff auf weitere Details möglich ...
    sql-2016-reporting-services-kpis
    ... die Definition der KPI-Kacheln erfolgt in einem entsprechenden Editor (mehr):
    sql-2016-reporting-services-kpis-editor
  5. Neuer Berichtstyp "Mobile Report" ... es handelt sich um das akquirierte Datazen-Produkt, der Vorteil gegenüber den normalen RDL liegt in der Orientierung an visuellen Widgets ("Visuals") und den responsive Eigenschaften ...
    sql-2016-reporting-services-mobile-reports
    ... die Erstellung der Berichte erfolgt über das Programm "Mobile Report Publisher" (vormals "Datazen Publisher")
    sql-2016-reporting-services-mobile-reports-publisher
  6. Verbinden der Power BI mobile App zur Verteilung von KPIs und mobile Reports ... die Daten aus SSRS verlassen dabei nach unserem Verständnis nicht das Unternehmens-Netzwerk, werden also nicht über die Power BI Cloud verteilt (mehr hier und hier)
    sql-2016-reporting-services-power-bi-mobile-app
  7. Pin to Power BI
    Als Voraussetzung dafür wird im SSRS Configuration Manager die Verbindung zum Power BI Cloudservice registriert ...
    sql-2016-reporting-services-pin-to-power-bi-settings
    ... und auf dieser Basis können die einzelnen User im SSRS Webportal ihren persönlichen Power BI Account aktivieren und in den einzelnen Reporting Services Berichten (RDLs) steht ein "Pin to Power BI"-Button zur Verfügung (Quelle: Guy in a Cube):
    sql-2016-reporting-services-pin-to-power-bi-pinning
    Technisch gesehen wird auf den Ziel-Dashboard in Power BI ein aktuelles Bild des Reports veröffentlicht und nicht der Report selbst. Beim Klick auf das Widget erfolgt die Weiterleitung zum SSRS Bericht. Die Aktualisierung erfolgt über ein (automatisch erzeugtes) SSRS Abonnement. Der Auth-Token muß alle 90 Tage im Power BI Cloudservice vom User bestätigt werden (muß also zumindest alle 90 einloggen, ansonsten erlischt das Abonnement).
  8. Verbesserungen bei den Abonnements (diese können jetzt deaktiviert werden und müssen nicht mehr gelöscht werden)
  9. Unterstützen des SharePoint-Modus in SharePoint 2013 und 2016

Weitere Informationen zur strategischen Neuausrichtung der Reporting Services hier und auch hier, zur Integration mit Power BI hier.

Weiters ...

Neuerungen in den SQL Server Integration Services und Informationen zu den Preisempfehlungen der Editionen in SQL Server 2016.

Fazit und kritische Evaluierung

SQL Server 2016 ist ein Riesensprung nach vorne, insbesondere im relationalen Datenbankmodul, im Tabular Model und in den Reporting Services sind die Neuerungen aus BI Perspektive toll.

Kritisch anzumerken ist, daß die Integration von Power BI Desktop weder in die Reporting Services noch in das Tabular Model bisher stattgefunden hat. Auch fehlt jegliche Integration von Power Query nach Tabular Model, natürlich wäre hier das Zusammenspiel mit den Integration Services interessant zu sehen. Schade ist auch, daß in der traditionellen Cube-Technologie - Neuerungen gibt es dort seit mehreren Releases kaum noch - nicht mehr Features aus der Enterprise Edition für die Standard Edition freigegeben werden (bspw. semi-additive Measures wären extrem wünschenswert auch in der SE).

Quellennachweis

SQL Server 2016 Produktseite

Features Supported by the Editions of SQL Server 2016 (Editionenvergleich)

Analysis Services Features Supported by the Editions of SQL Server 2016 (Editionenvergleich)

SQL Server Version Comparison (Versionenvergleich)

Microsoft BI Enhancements in SQL Server 2016

Thomas Blessing von ppedv Gmbh - vielen Dank für die tolle Aufbereitung der Inhalte:

ppedv-thomas-blessing

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